Außenspiegel-Untergehäuse tauschen...

  • Da das der technisch hilfsreichste Thread im Forum bezüglich Außenspiegel ist, möchte ich meine Erfahrung mit euch teilen:


    Der rechte Außenspiegel wurde bei unvorsichtiger Rückfahrt beschädigt: Spiegelglas zersplittert, Rahmenteil gebrochen, Anklappmotor läuft leer und klappt nicht mehr.


    Die mehr oder weniger Freundlichen haben meiner Frau Kostenvoranschläge von 1600,- + Märchensteuer präsentiert: "ja da muss der gesamte Außenspiegel mit allem ausgetauscht werden und die Spiegelkappe muss ja auch noch lackiert werden."- "aber die ist doch gar nicht kaputt? Für das Geld kann ich in den Urlaub fahren." - "Ich auch. Also was nun: alles oder nichts!". NICHTS! Solche Unverfrorenheit triggert mich, also los gehts ....


    Die Teile (alle für die Ausführung rechts, beheizbar, anklappbar, konvex, nach 3/2018):

    Das Heraussuchen ist eine Qual, selbst mit VIN ist sich das System nicht sicher. Spiegelgläser gibt es sehr viele, da muss man höllisch aufpassen. Mein F45 hat ein konvexes, beheiztes Spiegelglas rechts, nach LCI nicht abblendbar (511673377976, ca. 100€). Es gibt zwar jede Menge wesentlich preiswertere Spiegel auf dem Ersatzteilmarkt, aber ich wollte einfach kein Risiko mit den Anschlüssen, Haltbarkeit oder der Passgenauigkeit eingehen.

    Das Rahmenteil aus schwarzen Kunststoff war normal (Haltering 51167386570, ca.45€), nicht Shadow Line.

    Auch wenn nur der Motor kaputt ist, man muss das gesamte Ding "Außenspiegel, ohne Anbauteile" (51167415794, schlappe 280,-€) nehmen.



    Die Montage:

    Wie immer mit Sorgfalt, Gefühl und Liebe bei Licht und warmer Umgebung, da man zahlreichen filigranen Kunststoffschnappnäslein und Steckerli begegnet. Auch durch die Verwendung von Spezialschrauben mit fünf(5!)-Kant-Torx T10 und T8 ist offensichtlich, dass BMW lieber horrendes Geld für neue Auswechselmodule sieht, als Nachhaltigkeit durch einfache Reparierbarkeit.


    Wie bereits beschrieben, zuerst das Glas ganz nach oben fahren, unten mit allen Fingern eingreifen und beherzt den Glasspiegel herausziehen - er ist eh schon kaputt. Vorsicht Splitter!

    Dann mit normalen Torx und 5-Kant-Torx die 2 + 3 Schrauben lösen. Für die zentrale T8 5-Kant-Torx hatte ich keinen Bit, so musste ich vorsichtigst mit einem genau in 2 von den 5 Innenzahnlücken passenden Schlitzschraubendreher die zentrale Schraube des Spiegelglasmotors lösen. Stecker lösen.

    Die Nasen und Bügelchen des lackierten Spiegelgehäuses sorgsamst entriegeln und lösen.

    Zum Demontieren des Rahmenteils muss das Anklapp-Motor-Gussteil von der fahrzeugseitigen Gusshalterung von den 3 Torxschräubchen befreit werden, die nur über den vorher vorsichtig herausgehebelten schwarzen Deckel an der fahrzeugseitigen unteren Kunststoff-Abdeckung zugänglich sind.

    Wer die Verkabelung überall sauber lösen kann, hätte vielleicht die Möglichkeit, die türseitige Gußplatte mit Kunststoffabdeckung (sieht aus wie eine Haifischflosse) am Fahrzeug zu belassen und alles wieder zurückzubauen.


    Weil alle immer das gesamte Bauteil "Außenspiegel, ohne Anbauteile" auswechseln, ging ich davon aus, dass das notwendig sei, und bin den ganzen Weg gegangen. Zunächst die kleine Abdeckung am Ende der Innen-Türlehne mit dem elektrischen Fensterschließknopf von vorne heraushebeln. Die zwei darunter versteckt liegenden, schwarzen Torxschrauben herausnehmen, sowie die zwei an der Unterseite der Türverkleidung. Der Ausbau der Tür-Innenverkleidung erfolgt mit Hilfe eines flachen Abhebelwerkzeugs von unten her an den Seiten durch Heraushebeln der Clips (4 vorne, 5 hinten, Clips mit Dichtscheibe 07149136882, manche gehen kaputt, manche muss man mit einem Seitenschneider "an den Kragen anlegen" und separat heraushebeln). Oben zieht man die gelöste Innenverkleidung in Einem senkrecht von der Türe weg. Alle Steckerchen sorgsam lösen und den Türschließpin ausfädeln.

    Dann die innere Kunststoff-Abdeckung an der A-Säule ebenfalls mit dem flachen Abhebelwerkzeug von den 2 Clips von mitte-unten her lösen. Es legt die 3 silbernen Torxschrauben frei, die das Bauteil "Außenspeigel, ohne Anbauteile" außen halten. Achtung, es purzelt runter, wenn man es nicht außen festhält. Der kleine, blaue "Einsteckbefestiger" (07147376600) war zernudelt.


    So hat man dann alles einmal in der Hand gehabt, löst man noch die Elektrik zum und das Memory-Elektromodul innerhalb des Spiegelgehäuses selbst und voila, hoffentlich alles gemerkt, fotografiert vor dem Zerlegen und die Schräubchen alle sauber zurechtgelegt, denn jetzt alles wieder mit den Austauschteilen zurückbauen. Das geht wesentlich flotter mit den vielen Clipsen bzw. Nasen, sofern sie nachgekauft bzw. nicht abgebrochen sind.


    Fazit:

    Man kann es machen, ist kein Hexenwerk. Sorgfalt mit den vielen Kunststoffverbindungen braucht aber Zeit. Die Teile sind aufwendig im ETK herauszufummeln und man braucht einen 5-Kant-Torx (4xT10, 1xT8).

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